60 Jahre Fussball im SV Hörnerkirchen 23. Januar 1959 – 23. Januar 2019

23. Januar 1959 – 23. Januar 2019   60 Jahre Fussball im SV Hörnerkirchen

Ein Rückblick von Gerhard Ullrich…

Die Keimzelle für den Fußball in unserem Verein bildete der ‚Bokeler Tischtennis Club‘ von 1956. Neben dieser Sportart an der grün-weißen Platte interessierten sich zunehmend mehr Jugendliche und junge Männer für den Fußballsport. Auf dem Sportplatz des MTV Hörnerkirchen an der Steinstraße in Hörnerkirchen (heute Kösterpool) wurde zwar (neben dem Schlagball- und Faustballspiel sowie den Turn- und Leichtathletikwettkämpfen) schon um 1950 Fußball gespielt im damaligen Club ‚Rasensport Hörnerkirchen‘, der allerdings nur wenige Jahre existierte. Danach kam es zu spontanen Begegnungen auf dem alten Platz in Hörnerkirchen, die von der Dorfjugend organisiert wurden, wie zum Beispiel Bokel gegen Hörnerkirchen oder Westerhorn gegen Hohenfelde.

Unser Ehrenmitglied Erich Klütz erkannte die Zeichen der damaligen Zeit und setzte sich zielstrebig im ‚Bokeler Tischtennis Club‘ für die Fußballabteilung als weitere Sparte ein, die am 23. Januar 1959 ins Leben gerufen wurde. Auf Drängen des Schleswig-Holsteinischen Fußballverbandes (SHFV), dem wir vor dem Wechsel zum Hamburger Fußball-Verband (HFV) bis 1982 angehörten, wurde der Verein in ‚SC Grün-Weiß Bokel‘ umbenannt und bestand in dieser Form bis zur Fusion mit dem MTV Hörnerkirchen und dem Tennisclub Hörnerkirchen zum ‚SV Hörnerkirchen‘ mit Wirkung vom 1. Juli 2001.

Doch zurück zu den Anfängen:

Ursprünglich fanden sich 15 Spieler zusammen, vornehmlich im Alter von 17 bis 20 Jahren, die drei ältesten unter uns waren 25 bis 26 Jahre alt. Wir übten auf der Hauskoppel von Artur Pump am Buschkamp / Ecke Lindenstraße in Bokel und in der dunklen Jahreszeit auf dem alten Bokeler Schulhof unter zwei Strahlern, später dann auf einer damals unbebauten Wiese am Fasanenweg. Dankbar waren wir auch dem befreundeten Fußballverein in Wrist dafür, dass wir dort gelegentlich quer vor dem alten Sportplatz unter zwei Flutlichtmasten trainieren durften. Unsere Konditionsläufe führten regelmäßig auf unterschiedlichen Strecken durch Bokel. Artur Pump war es auch, der dem Verein ein Stück Heidefläche am Hasselbusch anbot, das wir ‚Männer der ersten Stunde‘ zu einem Sportplatz, dem sogenannten ‚Heidepark‘, ausbauten. Es war schon abenteuerlich: angesäter Rasen wollte nicht aufkommen, Wasser- und Stromanschluss – Fehlanzeige. Dennoch ‚zog dieser Platz jahrelang erstaunlich viele Zuschauer an, nicht zuletzt wegen seiner idyllischen Lage‘, wie Helmut Trede 2007 in seiner Chronik ‚100 Jahre SV Hörnerkirchen‘ hervorhob. Eintritt wurde nicht kassiert.

Die ersten Tore haben wir zurechtgezimmert aus den Restbeständen des fast vergessenen Vereins ‚Rasensport Hörnerkirchen‘. Das Geld für neue Tore, Tornetze und Bälle bekamen wir nur mühsam und schleppend zusammen: Ich fuhr über die Dörfer des Amtsbezirks Hörnerkirchen und kassierte monatlich 1 DM (Schüler und Bundeswehrangehörige zahlten die Hälfte), später dann 2 DM von den Aktiven und 1,50 DM von den Passiven, von denen immer mehr Zutritt zu uns fanden (Ende 1964 waren insgesamt etwa 100 Mitglieder in der Fußballsparte und auf meiner Kassierer-Liste). Ich war dankbar, als unser Vorsitzender Karl-Heinz Ducherow im Laufe der Zeit zumindest einen Teil der Mitgliedsbeiträge per Lastschriftverfahren einsammeln konnte. Die Spielkleidung musste anfangs allerdings jeder Aktive selbst finanzieren, mit Ausnahme der Vereinsabzeichen für die ‚Herzseite‘ der Trikots, die ich in Elmshorn hand-sticken ließ und aus der Vereinskasse bezahlen durfte.

Zur Außendarstellung hatten wir Aktiven uns zu Folgendem verpflichtet: In den ersten fünf Jahren, in denen ich die Artikel zur Spielankündigung und die Spielberichte für die ‚Elmshorner Nachrichten‘ verfasste (bis es dann 1965 in professionelle Hände überging), habe ich darauf verzichten müssen, Spielernamen besonders hervorzuheben – nach dem selbst gestellten Motto: ‚Das Team ist ALLES, ALLE sind das Team‘. Übrigens, das allererste Punktspiel fand am 21. August 1960 in Alveslohe statt und endete mit einem 4:3-Erfolg für uns Bokeler Fußballer. Anschließend ging’s direkt zum Barmstedter ‚Stoppelmarkt‘ unter dem Motto ‚Hallo – wir kommen!‘

Geselligkeit mit vielen Feiern, Festen und Fahrten wurde großgeschrieben. Aber auch das soziale Umfeld spielte eine Rolle. Ein Beispiel: Nach einem schweren Schicksalsschlag, bei dem einer unserer treuen Anhänger bei einem Verkehrsunfall schuldlos ums Leben kam, sind wir jahrelang zu Ostern und Weihnachten zu seinen Eltern gefahren. Sie lebten in äußerst ärmlichen Verhältnissen in einer kleinen Gutshelfer-Unterkunft in Wiedenborstel bei Aukrug, und wir haben ihnen mit unserem Besuch und einem ansehnlichen Präsentkorb, finanziert aus gesammeltem Geld der Mitglieder, bis zu ihrem Tod eine wirklich große Freude bereiten können.

In guter Erinnerung habe ich auch den raschen Mitgliederanstieg der jugendlichen Fußballer, die 1964 – also schon wenige Jahre, nachdem die Fußballabteilung aus der Taufe gehoben war – dänischen Besuch aus Bröndbyöster bei Kopenhagen (heute Bröndby IF) zu einer bemerkenswerten Freundschaftsbegegnung im ‚Heidepark‘ erwarteten, und Monate später trafen wir uns mit einer Jugend- und Herrenmannschaft zum Gegenbesuch bei unseren dänischen Gastgebern.

Nach Ablaufen des Pachtvertrags für den ‚Heidepark‘ 1966 stellte die Gemeinde Bokel ein Gelände nahe des Bokeler Sees zur Verfügung, das heutige sogenannte ‚Waldstadion‘. Zu der Zeit stieß auch Willi Geisler als Trainer zu uns, nachdem wir die ersten Jahre zwar manchmal zeitbegrenzt mit dem einen oder anderen Übungsleiter aber ohne echten Trainer agierten und die Strategie für das nächste Punktspiel immer durch die ganze Mannschaft oder den Mannschaftsrat bestimmen ließen. Und Willi Geisler und Udo Peters ist es auch zu verdanken, dass wir auf dem neuen Platz nach einigen Jahren eine Flutlichtanlage in Eigeninitiative installieren konnten.

Ein Meilenstein in der noch jungen Vereinsgeschichte war die Errichtung des Vereinshauses neben dem Bokeler Sportplatz 1980/81. Angeschoben wurde dieses Objekt durch unseren langjährigen Vorsitzenden und Ehrenmitglied Hans-Christian Stehn, federführend unterstützt durch Bauleiter Hartmut Klütz, Schatzmeister und Ehrenmitglied Gerhard Hopp und nicht zuletzt durch unseren ehemaligen Vorsitzenden Herbert Unger. Ermöglicht wurde der Bau, der seinerzeit ein Gesamtvolumen von ca. 170.000 DM umfasste und in jüngster Zeit weitgehend modernisiert und zum Bokeler Gemeindezentrum, der ‚Dörpstuv‘, erweitert wurde, nicht nur durch finanzielle Mittel der Amtsgemeinden und Zuschüsse von Kreis und Land, sondern auch durch erhebliche handwerkliche Eigenleistungen unserer Mitglieder: Überwiegend in Feierabend- und Wochenendeinsätzen kamen dabei fast 650 Arbeitsstunden zusammen.

Zur Saison 1982/83 durfte der SC Grün-Weiß Bokel dann endlich vom Schleswig-Holsteinischen Fußballverband zum Hamburger Fußball-Verband wechseln. Dadurch wurden die Auswärtsfahrten für die Jugend- und Herrenmannschaften erheblich kürzer, was natürlich ein großer Vorteil für uns aber auch für unsere Kontrahenten war: Ging es früher in der Kreisklasse A zum Beispiel bis nach Garbek (55 km) oder Trappenkamp (50 km) und nach dem Aufstieg in die Kreisliga Storman / Segeberg (zu vergleichen mit der Bezirksliga West im HFV) bis nach Trittau (85 km), Siek (80 km), Lütjensee (75 km), Zarpen (70 km), Reinfeld (65 km) und Bad Oldesloe (60 km), so bahnten sich nunmehr eindeutig kürzere Strecken an: in der Kreisliga 8 (der sogenannten ‚Deichliga‘) allenfalls 40 km zum auswärtigen Gegner, und nach dem Aufstieg in die Bezirksliga West mussten Fahrten von maximal 50 km bis in Hamburgs Westen in Kauf genommen werden.

Ich muss hier nun die nachfolgenden Jahre leider ausklammern. Ich habe zwar noch bis 1989 in unserer Altliga gespielt, wohne jedoch seit 1974 in Barmstedt und komme nur noch zeitweise mit den aktuellen Vorgängen in unserem SV Hörnerkirchen in Berührung.

Nur der SVH!

PS Was passierte eigentlich in unserem Gründungsjahr 1959 im ‚großen Fußballsport‘? Der HSV wurde das 11. Mal Meister der Fußball-Oberliga Nord, Bayern München 4. der Oberliga Süd (die fünf deutschen Oberligen können als Vorstufe der 1963 gegründeten Bundesliga angesehen werden); den Titel eines deutschen Fußballmeisters errang Eintracht Frankfurt und den DFB-Pokalsieg durfte Schwarz-Weiß Essen feiern.

 

Januar 2019  Gerhard Ullrich